05.12.2018
Zwischenbilanz der neuen Düngeverordnung gezogen

 

Rund 200 Gäste zählte die Veranstaltung des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland (AEF) und dem Kreislandvolkverband Vechta.

Welche Anstrengungen hat das Oldenburger Münsterland in den anderthalb Jahren nach Inkrafttreten der neuen Düngeverordnung und dem Düngesetz im Juni 2017 unternommen? Und welche Lösungsansätze braucht es, um die Nährstoff-überschüsse im Oldenburger Münsterland zu bewältigen? Zu diesen Fragen haben gestern Experten gemeinsam vor rund 200 Gästen im Saal Sextro in Vechta eine Zwischenbilanz gezogen. Dazu hatten das Agrar –und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland und der Kreislandvolkverband Vechta eingeladen.

AEF-Vorsitzender und Ex-Landwirtschaftsminister Uwe Bartels lobte die zahlreichen Anstrengungen der Branche zur Bewältigung der Nährstoffüberschüsse. Dazu zählte auch der mit allen Akteuren erarbeitete Masterplan des AEF für eine nachhaltige Nährstoffkreis-laufwirtschaft in Niedersachsen. Auch könne das geplante Projektvorhaben „Praktiker-netzwerk Nährstoffmanagement“, das nunmehr von der Landesregierung finanziell gefördert werde, einen wesentlichen Erkenntnisgewinn für die Herausforderung der Nährstoffüberschüsse liefern. Positiv bewertete er zudem die Aktivitäten z.B. der Futtermittelbranche, die Produkte zur Reduktion von Nährstoffen entwickelt haben. Lobenswert, so Bartels, seien auch die Bemühungen der Landwirte und der Lohnunternehmen, die eigeninitiativ Lösungen erarbeitet und umgesetzt haben. „Dennoch, es fehlt der Durchbruch. Es sind noch weitere Anstrengungen aller Akteure nötig, insbesondere vor dem Hintergrund der Veröffentlichung des 6. Nährstoffberichtes im Frühjahr 2019“, so seine Aussage.

Heinz-Hermann Wilkens, Experte für Düngerecht und Nährstoffkreislaufwirtschaft von der Düngebehörde, präsentierte Zahlen zur Nährstoffsituation. So liegen die Wirtschaftsdünger-exporte aus der Region Weser-Ems mit insgesamt 3 Mio. Tonnen auf dem Höchststand. Trotz hoher Verbringungen zählen die Landkreise Vechta und Cloppenburg zu den sieben niedersächsischen Landkreisen mit zu hohen Phosphatwerten. Als grundlegende Maßnahmen zur Reduzierung der Nährstoffe zählen laut Wilkens eine noch effektivere nährstoffreduzierte Fütterung, eine Reduzierung der Tierbestände durch Teilnahme an Tierwohlmaßnahmen sowie eine effizientere Abgabe der Wirtschaftsdünger und Gärreste.

Den aktuellen Stand technischer Verfahren zur Aufbereitung von Gülle und Gärresten stellte Hans-Jürgen Technow von der Landwirtschaftskammer vor. Zurzeit stünden verschiedene Verfahren mit unterschiedlichen Aufbereitungsschritten von der Teil- bis zur Vollaufbereitung zur Verfügung. „Effiziente Verfahren mit hohem Wirkungsgrad und geringen Kosten werden sich zukünftig durchsetzen“, so sein Fazit. Technow sieht aber noch Optimierungspotenziale entlang der gesamten Verfahrenskette.

Der stellvertretende DBU-Generalsekretär, Prof. Dr. Werner Wahmhoff, stellte in seinem Vortrag den güllelosen Stall als eine Lösung des Problems vor. In dem von Wahmhoff vorgestellten Stallkonzept werden Harn und Kot schon im Stall getrennt, so dass es kein Ammoniak entsteht. Die Zielsetzung sei es, Schweinehaltungssysteme zu entwickeln, die umwelterhebliche und klimarelevante Emissionen drastisch reduzierten, den gesellschafts-politischen Ansprüchen an eine tiergerechte Haltung genügten und die für die Landwirte wirtschaftlich zu betreiben seien.

Im Rahmen der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass neben den bereits vorhandenen Lösungen noch weitere zahlreiche Anstrengungen nötig sind. Es bleibe abzuwarten, so der Vertreter des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, Dr. Stefan Dreesmann, welche Auswirkungen die Maßnahmen, die die neue Düngegesetzgebung vorgibt, am Ende haben werden. Die Zahlen im nächsten Nährstoffbericht würden die Effekte zeigen. Dreesmann lobte das Engagement und die Innovationskraft der Region, appellierte aber zugleich, noch stärker zusammenzuarbeiten und einen runden Tisch für den Export der Wirtschaftsdünger zwischen abgebenden und aufnehmenden Regionen zu etablieren. Dr. Renate Thole vom niedersächsischen Umweltministerium kritisierte die fehlenden Fortschritte beim Grundwasserschutz – insbesondere vor der Klage der EU-Kommission und dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes für eine unzureichende Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinien in Deutschland. Lohnunternehmer und Geschäfts-führer der Nährstoffverwertung Oldenburger Münsterland GmbH, Ludger Feldhaus, befürchtet im Hinblick auf die neue Gesetzgebung einen drastischen Strukturwandel der gesamten Wertschöpfungskette.

Abschließend zogen beide Veranstalter ihr Fazit. Dr. Johannes Wilking, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Vechta, stellt zwar eine große Verunsicherung seitens der Landwirte fest, hält aber trotzdem an deren Engagement zur Lösung der Herausforderung fest: „Wir haben hier in der Region einen Blumenstrauß an Möglichkeiten, der zur Entspannung der Situation führen können. Wir Landwirte sind für alle Lösungen und Initiativen zu haben, die unsere Probleme wirklich angehen und nicht nur von ihnen leben wollen.“, so Wilking.

Bartels machte deutlich, dass die Region und die gesamte Branche diese Herausforderung erkannt habe und nachhaltig, verantwortungsvoll und pro-aktiv an Lösungen arbeite. Auch die jetzt vorhandenen Instrumente der Düngeverordnung dürften dazu führen, dass eine weitere Verschärfung der Gesetzgebung überflüssig werde.

Prof. Dr. Wahmhoff, Dr. Stefan Dreesmann, Dr. Renate Thole, Uwe Bartels, Heinz-Hermann Wilkens, Dr. Lydia Kocar, Hans-Jürgen Technow, Dr. Johannes Wilking, Ludger Feldhaus